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Erinnerungen an das Ende des Kriegs und die Besatzungszeit

Österreich war nach dem Zweiten Weltkrieg, von 1945 bis 1955, von den Streitkräften der Alliierten besetzt und in vier Besatzungszonen eingeteilt. Das Verhältnis der Bevölkerung zu den Soldaten der Besatzungsmächte war sehr zwiespältig. Ähnlich gestalten sich auch die Erinnerungen in den lebensgeschichtlichen Interviews des Projekts MenschenLeben.
Vor allem den "Russen", den Soldaten der Roten Armee, stand die Bevölkerung skeptisch gegenüber. Schließlich hatte die NS-Propaganda vorab schon vor den "asiatischen Horden" gewarnt, die vergewaltigend und plündernd durch die Straßen ziehen würden. Zwar erzählen Interview­partnerinnen und Interviewpartner, die die Besatzungszeit in ihrer Kindheit erlebt haben, oft sehr positiv von den russischen Soldaten, doch gibt es sehr wohl auch Berichte von Übergriffen. So erinnert sich die Weinviertlerin Hermine Pestl, geboren 1933, an Frauen, die zum "Kartoffelschälen" geholt wurden.

Eine ganz andere Geschichte erzählt Maria Steinhauser. Sie erlebte als junge Frau in Ternitz im südlichen Niederösterreich die Besatzungszeit und beschreibt eine amüsante Anekdote über sowjetische Soldaten, die "wie Kinder" waren.
Nicht nur Frauen fürchteten sich mitunter vor Besatzungssoldaten, sondern auch Männer. Gottfried Hübler beispielsweise musste sich als ehemaliges SA-Mitglied vor den Besatzungssoldaten verstecken. Hans Ulrich wiederum war in Deutschland in einem amerikanischen Lager, wo er mit ehemaligen SS-Soldaten in Kontakt kam.
Während sich Margaretha Schmitt an die Todesmärsche der KZ-Häftlinge in Niederösterreich erinnert, sind das Kriegsende und die unmittelbare Nachkriegszeit für einen Großteil der Bevölkerung von Elend und Hunger geprägt. Von großer Armut in Wien berichtet Elisabeth Fickert-Sonnleithner.