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Zwischen Vergangenheit und Zukunft

Die Vergangenheitsbewältigung Österreichs, konkret die Rolle von Österreichern in der NS-Zeit und der Umgang der Zweiten Republik mit dieser Vergangenheit und ihren direkten und indirekten Folgen, ist mit kaum einem zweiten Namen so verknüpft wie mit dem von Kurt Waldheim.

Kurt Waldheim, der eine diplomatische Musterkarriere im Dienst Österreichs nach dem Zweiten Weltkrieg absolviert hatte  vom Botschafter zum Außenminister  stieg danach als zweimaliger UNOGeneralsekretär in den Jahren von 1972 bis 1982 zu noch höheren internationalen Weihen auf. Zu keinem Zeitpunkt dieser Karriere schien seine Kriegsvergangenheit irgendjemandem Grund zur Besorgnis zu geben. Erst mit seiner Kandidatur für das Amt des österreichischen Bundespräsidenten kam es zu einer zuerst nationalen, aber sehr rasch auch internationalen Debatte um Waldheims NSVergangenheit.

Mit seinem Beharren, nur seine Pflicht erfüllt zu haben, trug Waldheim selbst nicht unbedingt zu einer Lösung der Fragen bei. Dass seine Person allerdings auf Antrag des World Jewish Congress auf die US-Watchlist für unerwünschte Personen kam, war ein Affront gegenüber der Person, dem Amt und der Republik durch die Vereinigten Staaten. Kurt Waldheim blieb als Bundespräsident im Ausland isoliert und in Österreich umstritten. Indirekt führte aber die Debatte in Österreich zu einer größeren Auseinandersetzung um die NSZeit und deren Aufarbeitung in der Zweiten Republik.

Thomas Klestil, Waldheims Nachfolger, nachdem dieser auf eine Wiederkandidatur verzichtet hatte, wollte dem Amt des Bundespräsidenten neues Ansehen im In- und Ausland verschaffen. Dabei kam ihm die Gnade des Spätgeborenen ebenso zugute wie seine große diplomatische Erfahrung im Dienste der Zweiten Republik. Er sollte als Staatsoberhaupt Österreich in die Europäische Gemeinschaft führen. Thomas Klestil verstarb am 6 Juli 2004, zwei Tage vor dem Ende seiner zweiten Amtszeit und der Angelobung seines Nachfolgers Heinz Fischer.