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Aktuell: Projekt "Wissenschaft als Film"

Im Rahmen des Projektes "Wissenschaft als Film" – Der Bestand des Österreichischen Bundesinstituts für den wissenschaftlichen Film (ÖWF) als wissenschaftshistorische Forschungsquelle – unter besonderer Berücksichtigung der ethnologischen Sammlung (gefördert von der Österreichischen Nationalbank, Jubiläumsfondsprojekt Nr. 14924) konnte der Filmbestand an der Mediathek aufgearbeitet werden und steht auch für weitere wissenschaftliche Forschungen zur Verfügung:

Projekt Wissenschaft als Film

  • Das gesamte (digitalisierte) Material kann in der Österreichischen Mediathek benützt werden: Onlinekatalog
  • Ein großer Teil des Bestandes konnte durch das Projekt online zugänglich gemacht werden: Sammlung ÖWF

Über diese Ausstellung

Der wissenschaftliche Film hat in Österreich eine lange Geschichte. Bereits aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts sind Aufnahmen bekannt, die im Rahmen von Forschungsvorhaben hergestellt oder eingesetzt wurden. Ab den 1960ern wurden diese Aufgaben in Österreich von einer eigenen Institution wahrgenommen, welche die Entwicklung des wissenschaftlichen Films bis in die 1990er Jahre prägte: das "Österreichische Bundesinstitut für den Wissenschaftlichen Film (ÖWF)". Seit dessen Auflösung wird der umfangreiche Filmbestand der Institution zu großen Teilen von der Österreichischen Mediathek archiviert.

Im Rahmen mehrerer Forschungsprojekte konnte mit der Sicherung und Aufarbeitung dieses Bestandes begonnen werden, zudem kann nun erstmals ein Teil dieser Aufnahmen einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Da dieser Filmbestand inhaltlich noch wenig erschlossen und aufgearbeitet ist, wird diese Sammlung hier im Überblick vorgestellt, um Einblicke in die große historische, inhaltliche und methodische Bandbreite dieses wichtigen filmhistorischen Quellbestandes zu geben und eine weitere Beschäftigung mit diesem Material anzuregen.

Institutsgeschichte

Das Österreichische Bundesinstitut für den Wissenschaftlichen Film ÖWF wurde 1962 als Abteilung Wissenschaftlicher Film der Bundesstaatlichen Hauptstelle für Lichtbild und Bildungsfilm (SHB-Film) gegründet. 1972 erfolgte die Umbenennung in Bundesstaatliche Hauptstelle für Wissenschaftliche Kinematographie (BHWK), 1984 schließlich in ÖWF. Es war das zentrale Institut des Wissenschaftsministeriums für die Betreuung der österreichischen Universitäten und Hochschulen auf dem Gebiet der wissenschaftlichen audiovisuellen Medien. Die Aufgaben des ÖWF umfassten die Produktion, Sammlung, Dokumentation und den Verleih wissenschaftlicher Filme aus dem In- und Ausland.

Das ÖWF wurde im Frühjahr 1997 aufgelöst, der Filmbestand wird seitdem zu großen Teilen von der Österreichischen Mediathek archiviert.

Zur Geschichte des wissenschaftlichen Films in Österreich

Das wissenschaftliche Interesse an "bewegten" Bildern und deren Verwendung für die Forschung begleitete die Geschichte des Films seit ihren Anfängen. Die Möglichkeiten, ansonsten unsichtbare Bewegungsvorgänge durch die bildhafte Darstellung in Einzelbilder aufzulösen, sowie flüchtige Ereignisse auf Film zu dokumentieren und damit auch für Zwecke der Analyse zugänglich zu machen, wurde auch in Österreich bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts erkannt. Erste Film- und Tondokumentationen wurden vom Anthropologen Rudolf Pöch ab dem Jahr 1905 im Zuge seiner Forschungsreisen hergestellt, der Biologe Otto Storch wurde in den frühen 1920er-Jahren mit seinen Aufnahmen zu einem Pionier der mikrokinematografischen Forschung. 

Mit der Begründung von internationalen Forschungsinstituten ab den 1950ern wurde eine Kategorisierung von wissenschaftlichen Filmdokumenten eingeführt, die für die Inhalte der Sammlung ebenfalls prägend war.

Durch den langen Entstehungszeitraum und die historisch jeweils unterschiedlichen formalen, inhaltlichen und wissenschaftstheoretischen Produktionskriterien spiegeln die Filme der Sammlung auch historisches wissenschaftliches Selbstverständnis und reflektieren die jeweiligen Forschungszugänge der einzelnen Wissenschaftsdisziplinen und deren Veränderungen. 

Der Sammlungsbestand

Die Sammlungen des Österreichischen Bundesinstituts für den Wissenschaftlichen Film (ÖWF) sind ein einzigartiger Quellenbestand, um den Film als wissenschaftliche Methodik wissenschaftshistorisch beforschen zu können. Die wissenschaftlichen Filme des ÖWF decken sowohl ein breites zeitliches (von 1904 bis 1997) wie auch thematisches Spektrum ab:  Schwerpunkte liegen bei europäischer und außereuropäischer Ethnologie (dem Forschungsschwerpunkt des Projektvorhabens) sowie Medizin und Biologie, daneben finden sich Bestände zu folgenden Wissenschaftsdisziplinen: Chemie, Physik, Technik, Kulturgeschichte, Archäologie, Zeitgeschichte, Architektur, Religion, sowie Psychologie. Die wissenschaftshistorische und kulturelle Relevanz dieses Bestandes zeigt sich auch in der Aufnahme der Sammlung in das "Österreichische Nationale Memory of the World Register" der UNESCO im Jahr 2014.

Der in der Österreichischen Mediathek vorhandene Bestand des ÖWF umfasst insgesamt rund 800 Schwarz-Weiß- und Farbfilme (16-mm-Film, 35-mm-Film, U-Matic, Betacam SP, Digital Betacam – insgesamt sind das rund 1450 Filmrollen sowie 1750 Videokassetten), die vom ÖWF allein oder zusammen mit Universitätsinstituten sowie Forscherinnen und Forschern produziert wurden. Diesen Bestand ergänzen Kataloge, Zeitschriftenreihen sowie Filmakten (inklusive Begleitpublikationen, die den filmischen Prozesses verschriftlichen) zu den einzelnen Produktionen.